01.08.2018 / Allgemein / /

Festansprache von Grossrat René Huber an der Bundesfeier 2018 in Würenlingen

Gschätzti Dame und Herre Gmeindröt
Gschätzti Organisatore vo de hütige Bundesfier
Liebi Würelingerinne und Würelinger
Sehr verehrti Gäst
Liebi Chind

Es isch en Ehr und grossi Freud für mich, hüt do bi Ihne in Würelinge en Festasproch zum Bundesfiertig dörfe z’ha. Einersits dorum, will ich nach einige 1. August-Rede i Gmeinde vo de Bezirk Zurzach und Brugg zum erschte Mol dörf i de Grafschaft Bade es paar Gedanke zu eusem Nationalfiertig üssere. Insbesondere aber dorum, will ich sit minere jüngste Jugend en sehr engi verwandtschaftlichi Beziehig zu Würelinge han. Bereits als chline Bueb han ich dörfe viel Zyt bi minere Gotte, de Martha Schneider und mim Firmgötti, em Franz Schneider do in Würelinge verbringe. Ich han mich immer sehr wohl gfühlt und für mich isch Würelinge zur Chindheitszyt fast wie es zweits dihei gsi. Dorum chum ich immer wieder gern zu Ihne is Eichledorf, sigs um mini Verwandte z’bsueche oder natürlich au i de Fasnachtszyt, ganz speziell aber hüt zum Geburtstag vo Eusere Schwyz.

Die sit johrzähnte durende persönliche Beziehige und Verbindige zu Würelinge gänd mir heimatlichi Gfühl. Obwohl Würelinge zum Bezirk Baden ghört, sind Sie, liebe Würelingerinnen und Würelinger, für mich Zurzibieterinne und Zurzibieter. De Napoleon hät damals die Bezirksgrenze echli komisch festgleit. Aber es goht schlussendlich ned um physischi Grenze, sondern um Gmeinsamkeite und Zämeghörigkeit. Als ländlichi Region beschäftiged eus vielfach die gliche Sorge, mit de Botschaft händ mir die glich Regionalzytig, Gmeind Würelinge isch Mitglied vo de Spitalkommission vom Spital Lüggere, de Gwerbverein Würelinge isch Mitglied vom Wirtschaftsforum Zurzibiet und mitem Ur-Würelinger Wynzermeister Andreas Meier und frühner mit Ihrem langjährige Gmeindschrieber An-dreas Senn sowie natürlich au mit Ihrem Grossrot Rolf Ryser dörf ich in Aarau s’Zurzibiet verträte. Das sind nur es paar Biespiel, wo Gmeinsamkeite und Zämeghörigkeit zwüsched Würelinge und em Zurzibiet zeiget.

Vieli Politiker nähmed Glägeheit am Bundesfiertig wohr, um über es politischs Thema z’rede. Ich möcht do druf mit einere chline Usnahm verzichte und Ihne, ganz im Sinn vo mine ileitende Wort, es paar Gedanke zum Wort Heimat, aber au zu Traditione und Veränderige sowie zum gsellschaftliche Wandel und zum Zämeghörigkeitsgfühl, wo für en ländlichi Region, wie mir sind, vo hocher Bedütig isch, mit uf de Weg geh.

Was isch dänn Heimat? De heilig Augustin hät sich emol d’Frog, was dänn Zyt isch, wie folgt sälber beantwortet: „Ich glaub, ich weiss es, so lang mich niemert frogt. Aber sobald mich öpper froget und ichs will erkläre, weiss ich’s nüme“. Ich chan mir vorstelle, dass es de meiste Mänsche glich würdi goh, wenn’s de Begriff „Heimat“ müesstet erkläre. Mir alli händ unbewusst en Vorstellig vo Heimat, hättet aber Müeh, de Usdruck z’definiere.

Gemäss em Duden isch Heimat det, wo öpper dehei isch, also s’Land, de Landesteil oder de Ort, i dem mer gebore resp. ufgwachse isch oder sin ständige Wohnsitz hät und sich geborge fühlt. De Duden seit au, dass s’Wort Heimat oft agwändet wird, um en bsonders gfühlsbetonti Stimmig uszdrucke. Heimat wird also einersits uf en Ort igrenzt. Zäme mit de Geborgeheit, wo mer a dem Ort muess erläbe, um Heimat z’erfahre, dütet die Definition die emotionale und soziale Komponente vo Heimat a. Und grad die sozial Vernetzig isches, wo für vieli Mänsche en wichtige Teil vo Heimat usmacht.

Einigi säged sogar, dass s’Heimatgfühl ned an en Ort bunde isch, sondern a Beziehige zu Mänsche und konkrete Läbensbedingige. Es git also kei allgemeingültigi Definition für Heimat. Es hät mit Verbundeheit z’tue, wo durch Traditione, spezifische Lebensbedingige und prägende Erfahrige entstönd und meistens bereits i de Chindheit afanged. Die positive Erinnerige a d’Erlebnis i de Heimat vermittlet en Orientierigs- und Wertmassstab für alli spötere soziale Erfahrige und Zueghörigkeite. I Zyte vo persönlich und sozial miterlebte Krise und Umbruchsituatione git die heimatlichi Verbundeheit es Gfühl vo Stabilisierig. Heimat bedütet also au Sicherheit und Schutz, bütet Orientierigshilf, mer weiss wie Gsellschaft funktioniert und mir chan vertraue ha uf gwüssi Reaktione.

Uf d’Frog, was dänn Heimat isch, würd ich also wie folgt antworte: En Heimat ha und sich wohl fühle isch: Vertrautheit, Sicherheit, Kommunikation, Familie, Fründe und Bekannti. Aber au en intakti Gmeind mit eme rege gsellschaftliche Läbe, wie Sie i Ihrere Gmeind vorbildlich läbed. Ich persönlich känn ned viel Gmeinde, wo so es Zämeghörigkeitsgfühl usstrahlet, wie Würelinge. Das isch ihre eigeni Verdienst, und dodruf dörfed Sie, liebi Würelingerinne und Würelinger, stolz sie.

Heimat dörf aber ned nur Folklore sie, sich in Fahne, Hymne und Rakete erschöpfe, sich ned nur uf die Begriff Geburtsland, Herkunftsland und Vaterland reduziere oder eifach nur de Gegesatz zum Usland sie. Heimat isch natürlich all das, aber au no meh, nämlich es Gschänk. Es Gschänk, wo sehr wertvoll isch, so wertvoll, dass mir ned verschwenderisch mit ihre dörfet umgoh und ufpasse müend, wem mirs abütet. Heimat isch det, wo mer dehei isch und mer sich wohl fühlt. Und das Gschänk sölled nur die Mensche übercho, wo sich mit de heimatliche Brüch und Traditione identifiziered und die au läbed.

Heimat isch aber au Vertraue ha und geh. Leider gits immer wieder Missbruch, wo euses Vertraue schmäleret. Mir ghört immer wieder vo Asylmissbruch, Sozialhilfemissbruch, missbrüchlichs Ikassiere vo Rente, Usnutzig und somit Missbruch vo eusem sehr guete Gsundheitssystem, etc. Au Machtmissbruch isch leider a de Tagesordnig.

Müend mir jetzt immer uf de Huet sie und chönd niemertem meh traue? Vertrautheit isch en Aspekt vo Heimat. Das dörf jo ned sie, dass eus also es Stuck Heimat entzoge wird. Dorum bin ich überzügt, dass mir trotz immer wieder uftauchende Missbrüch müend Vertraue ha zunenand. Wänn mir alli en persönlichi Statistik würdet füehre, würd s’gschänkte Vertraue vermuetlich bi allne dütlich uf de positive Siete ligge.

Vertraue ha heisst aber au, Verantwortig träge. I mim bruefliche Alltag als Spitaldirektor oder au im politische Umfeld als Grossrot chum ich täglich in Berüehrig mit Mänsche, wo unterschiedlichi Charaktere händ, verschiedenste Problem bis tragische Schicksal erläbt händ, aber au hocherfreuti Erläbnis dörfed gnüsse. Das goht sicher au Ihne so und zämegfasst chönt mir dem säge, dass mir eus täglich zmitzt inere diametrale Gsellschaft befindet. Und die veränderet sich dur eusi persönliche Bedürfnis aber au us Gründ wie z.B. wirtschaftliche Erfolgszwang, finanzpolitische Druck usw. laufend.

A dere Stell möcht ich churz politisch, oder besser gseit gsunheitspoli-tisch werde. De Grund, werum insbesondere s’Gsundheitswese immer wieder massiv unter Druck chunt, isch s’angebliche Finanzproblem vom Kanton Aargau. Angeblich dorum, will jo de Rechnigsabschluss 2017 sehr erfreulich usgfalle isch. Immer wieder chamer de Press entneh, wie selbsternännti Gsundheitsprophete gebetsmühleartig prediget, dass mer Gsundheitschöschte im Aargau nur chan sänke, wenn mir no zwei bis drü Regionalspitäler schlüsst.

Die Mär wird au dur ständigs wiederhole ned wohr. Am Biespiel vo eu-sem Spital Lüggere chan ich ihne bestätige, dass jede stationäri Fall bi eus sowohl für de Staat, also eus Stürezahler, wie au für Krankekasse, also wiederum eus als Prämienzahler, günstiger isch als i jedem andere Aargauer Spital. Warum isch das so? Sit 2012, also mit Inkrafttrete vo de neue Spitalfinanzierig, werdet die stationäre Fäll mitere Fallpauschale entschädigt. Die wird jewiels zwüsched de Krankekasse und de einzelne Spitäler verhandlet und vom Kanton schlussendlich gnehmigt. Und sit de Iführig im 2012 hät s’Spital Lüggere de tüfsti Tarif. Das hät insbesondere dodemit z’tue, dass mir ufgrund vo eusere sehr schlanke Organisation Kosteneffizient sind. Und die usgwiesne Chöste sind bi de Priesverhandlige matschentscheidend. Also wänn mer jetzt s’Gfühl hät, mir müess die chostegünstigere Spitäler no schlüsse, wie sölled dänn Gsamtchöschte im Gsundheitwese gsenkt werde? Weniger Spitalufenthält wird’s chum geh, sondern eifach en Verlagerig i die grössere Spitäler mit höchere Fallpauschale oder sogar i usserkantonali Spitäler, wo de Aargau genau glich zur Kasse bette wird, aber ned chan mitrede.

De Schade, wo mir aber mitere Schlüssig vome Regionalspital arichtet, isch ein vielfaches. Es Spital hät für en Region en sehr grossi Wertschöpfig und grad für en Landregion wie s’Zurzibiet isch so en Institution sehr wichtig. S’Spital Lüggere beschäftigt rund 350 Mitarbeitendi, wovo über 50% im Zurzibiet, 40% i de agrenzende Regionen und 10% in Dütschland wohnhaft sind. Die Mitarbeiter verstüred ihres Ikomme also i eusne Gmeinde. Zudem verbliebed jährlich rund 60% oder in Franke usdruckt 13 Mio. vo eusne Sachchöste im Kanton Aargau, womit mir eusne KMU-Betrieb en namhafte Betrag jährlich zuecho lönd. Das wiederum erhaltet und schafft au Arbeitsplätz i eusere Region. Und es Spital in unmittelbarer Wohnnöchi git de Bevölkerig au Sicherheit und gwährt en schnellstmöglichi medizinischi Grundversorgig, was wiederum zu Geborgenheit und heimatliche Gfühl bitreit.

Nach dem churze gsundheitspolitische Abschweifer möcht ich wieder zrugg cho zum Thema Verantwortig träge oder anders gseit Zügel i de Händ bhalte. Nur dänn chöned mir eusi Heimat au bewahre. Da s’gsellschaftliche Läbe und es intakts Umfeld en sehr wesentliche Faktor fürs persönliche heimatliche Wohlbefinde isch, müend mir das pflege und eus entsprechend defür isetze. Das heisst, jede vo Eus isch Mitverantwortlich, Heimat z’schaffe, sig das durch eusi Teilnahm am gsellschaftliche Läbe, durch es persönlichs Engagement für d’Oeffentlichkeit und insbesondere au, euse Wille kundztue und bereit sie, defür z’kämpfe.

Händ Sie emol Ihres persönliche Hus baue, machts viel meh Lebens-freud, wänn Sie mit verschiedene Farbe und Irichtigsgegeständ Ihres Heimetli usstattet. Erst dänn fühlt mer sich wohl und geborgen. Dodemit möcht ich Ihne eigentlich säge, dass z.B. nur s’usüebe vom Bruef oder s’erfülle vo es paar persönliche Bedürfnis s’Läbe ned chan berichere, sondern dass es dodezue en persönlichi gsellschaftlichi Ibettig brucht. Grad die sozial Vernetzig isches, wo für vieli Mänsche en wichtige Teil vom sich wohlfühle usmacht.

Damit das alles aber chan erfüllt werde, bruchts Mänsche dezue. Es brucht Eus alli, wo Ihrere Gmeind und de ganze Region Sorg träged und sich engagieret für d’Allgemeinheit. Und genau do stell ich fest, dass es immer weniger Lüt git, wo sich i ihrere Freizyt für irgend es Amt, en Funktion oder eifach ere Hilfestellig zumene Bitrag für d’Allgemeinheit oder imene Verein zur Verfüegig stelled. Und genau die Freiwilligearbet isch de Lebensnärv vonere lebenswerte Gsellschaft.

Näbst dem, dass mer mit Glichgsinnte en Teil vo de Freizyt chan aktiv gestalte und erst no en Bietrag fürs gsellschaftliche Läbe leistet, chan en Freiwilligearbeit als Gratisagebot für en läbenslangi Wieterbildig, oder ich chönt au säge für en umfassendi Läbenserfahrig, büte. Das säg ich ned eifach so. Die Erfahrig han ich scho in verschiedene Funktione dörfe mache. Bi jedem Amt wo ich i minere Freizyt usgüebt han, han ich en breitgfächereti Wieterbildig übercho, und das notabene ohni stundelangs Lerne am Schriebtisch, sondern verbunde mit Tate, Handlige, Gspröch, Organisatione, handwerkliche Tätigkeite usw. Und s’schöne dra isch, dass mer debi no riecher wird, nämlich riecher an Läbenserfahrig, und die isch bekanntlich ned zahlbar, sondern nur erlebbar. Zudem chönd Sie Ihre ageigneti Richtum an Läbenserfahrig au im tägliche Läbe für d’Bewältigung vo unterschiedlichste Situatione isetze.

A dere Stell möcht ich Ihne es Sprichwort vom Konfuzius zitiere:
“Säg mer’s und ich vergisses – Zeig mer’s und ich erinnere mich – Zieh mich mit i und ich verstohs”.

Ich wünsche mir, dass sich d’Mänsche und vor allem eusi Jugend wieterhin mit ibezieh lönd und Bereitschaft zeiged, sich i eusem rüehmliche Milizsystem z’engagiere. Grad will d’Mobilität vo jedem einzelne und Zentralisierig im Allgemeine in grosse Schritte vorwärts goht, bin ich überzügt, dass jede vo eus vermehrt en Basis brucht, ebe en Heimat, wo er sich wohl, geborge und ufghobe fühlt.

En wichtige Teil vo dere Basis isch eusi vertrauti Region. Mir händ en einmaligi Landschaft, wo sinersglieche suecht, en unheimlich schöni Natur, differenzierti Erholigsmöglichkeite, wunderschöni Wohnlage und es guets Mass a Gwerb, Industrie und dodemit Arbeitsplätz. Ich bin überzügt, dass jedi Region es Zentrum brucht, aber zum es starchs Zentrum chöne sie, bruchts au en starchi Region. Dorum müend mir gmeinsam die Froge vo de Oberstufeschulstandort, umfassendi Gsundheitsversorgig, Agebot i de Langzytpfleg usw. löse, ganz nach em Motto „geben und nehmen“. Miteme Gartehagdänke chömed mir ned zum Ziel. Die Theme sind für Zuekunft vo eusere läbenswerte schöne Region vo entscheidender Bedütig. Ich bin überzügt, dass mir gmeinsam das schaffed und eusi Region en erfolgrichi Zuekunft chan ha. Mir müend enand aber Vertraue schänke, Toleranz zeige, als Vorbild vorus goh, Verständnis ha und Verantwortig überneh. Nur dänn chöned mir eusne Nachkomme en attraktivi Heimat vererbe.

Vor einige Johr han ich folgends Motto festghalte: „Zusammenwachsen – zusammen wachsen“. Das Motto begleitet mich sither und ich han das i verschiedene Situatione immer wieder brucht. Für mich isches je länger je aktueller, dänn grad mir i eusere Landregion müend vermehrt zäme stoh, damit mer gegeüber de starche Zentrum chönd eigenständig bestoh bliebe. Mir chan das Motto uf die vorher agsprochni regionali Zämeghörigkeit wie au uf eus Mänsche allgemein awände.

Ich glaube dra, dass mir dur d’Awändig vo dem Motto en Schritt wieter-chömed und eusi Heimatgfühl stärked.

De Willy Brandt hät emol gseit: „Der Erfolg des Ganzen wächst aus der Verantwortung jedes einzelnen.“

Im Sinn vo dem Zitat isch min abschlüssende Wunsch a Sie, dass mir alli zäme Vorbild sind, Verantwortig träged, Verständnis und Vertraue händ, Toleranz zeiget und eus Zyt nähmed.

Ich wünsche Ihne alles Gueti, viel Glück, Freud und Gsundheit und natürlich, dass Sie sich wieterhin wohl fühled i Ihrere Heimat und dodezue Ihre persönlichi Bietrag leistet. Für Ihri Ufmerksamkeit dank ich Ihne bestens.

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